TSH-Steigerung zur Vorbereitung auf die Radiojodtherapie

Im Anschluss an die OP erfolgt in den meisten Fällen eine Zerstörung des Schilddrüsenrestgewebes, die sogenannte ablative Radiojodtherapie. Das funktioniert durch die Aufnahme des Radiojods in die verbliebenen Schilddrüsenzellen.

Damit ausreichend Radiojod aufgenommen wird und der wichtige zweite Therapieschritt – die ablative Radiojodtherapie, auch Ablation genannt – erfolgreich vorgenommen werden kann, muss der TSH-Spiegel im Körper ansteigen. So wird ein „Jodhunger“ in den Zellen ausgelöst. Die Folge: Sie nehmen vermehrt Radiojod auf, die verbliebenen Schilddrüsenkrebszellen werden von innen zerstört. TSH ist also ein entscheidender Wegbereiter für die erfolgreiche Schilddrüsenkrebstherapie.

Jodhunger

Vor der Ablation sollten Patienten einen Jodüberschuss durch Lebensmittel vermeiden, so dass das Angebot dieses Spurenelements im Körper stark zurück geht und der Jodhunger der Zellen wächst. Außerdem wurden Patienten nach der operativen Entfernung der Schilddrüse bisher häufig die benötigte Schilddrüsenhormonersatztherapie vorenthalten (so wird künstlich eine Schilddrüsenunterfunktion herbeigeführt). Der Körper bemerkt, dass ihm Schilddrüsenhormone fehlen und schüttet aus der Hirnanhangsdrüse verstärkt TSH – das „schilddrüsenstimulierende Hormon“ – aus. TSH löst in den Schilddrüsenzellen massiven Jodhunger aus, so dass alle im Körper verfügbaren Jodatome sofort aufgenommen werden.

Die Phase der künstlich herbeigeführten Schilddrüsenunterfunktion dauert ca. drei bis sechs Wochen, erst dann ist ein ausreichend hoher TSH- Spiegel von ca. 30mU/l vorhanden, um die Ablation durchzuführen.
Die Schilddrüsenunterfunktion empfindet jeder Patient unterschiedlich. Während die einen die Unterfunktion sehr gut überstehen, erleben andere Patienten die Symptome der Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen deutlich: Sie fühlen sich antriebslos und matt, erleiden Müdigkeitsanfälle, kämpfen mit Depressionen, Gedächtnis- und Konzentrationsminderungen.

Die moderne Alternative: rhTSH

Aufgrund der Nebenwirkungen einer Schilddrüsenunterfunktion entscheidet sich der Arzt immer öfter für eine moderne und nebenwirkungsärmere Alternative: Der TSH-Spiegel wird durch die Gabe von rhTSH (= rekombinantes humanes TSH), einem künstlichem Hormon, kurzfristig schnell erhöht.

Bei dieser Therapieform kann die Schilddrüsenhormontherapie direkt nach der OP angesetzt werden, der Patient gerät nicht in die zum Teil unangenehme, künstlich herbeigeführte Schilddrüsenunterfunktion. Das rhTSH wird an zwei Tagen vor der Radiojodtherapie jeweils einmal in den Gesäßmuskel verabreicht und lässt den TSH-Spiegel unabhängig von den Schilddrüsenhormonen T3/T4 rasch ansteigen. So kann die Schilddrüsenhormontherapie nach der OP angesetzt werden, und die Ablation kann beim Patienten in euthyreoter Stoffwechsellage, d.h. bei normaler Schilddrüsenfunktion ohne unangenehme Nebenwirkungen, vorgenommen werden. Ein weiterer Vorteil: Die gesamte Therapie dauert nur zehn bis 14 Tage, da der Nuklearmediziner die Ablation nach Entlassung aus der Chirurgie sofort vornehmen kann. Damit ist die Therapie unter rhTSH- Gabe schneller und nebenwirkungsärmer.

Schneller gesund

Seit mehreren Jahren ist die Behandlungsmethode mit rhTSH in Deutschland zugelassen und wird immer häufiger eingesetzt, um Patienten die Nebenwirkungen der Schilddrüsenunterfunktion in der Vorbereitung auf die Ablation zu ersparen und die Therapiedauer zu verkürzen. Patienten haben die Wahl und sollten mit den behandelnden Ärzten über die für sie optimale Therapieform sprechen.

Thyreotropen Regelkreis

Mit rhTSH kann die Krebsbehandlung schneller erfolgreich abgeschlossen werden: Von der OP bis zur Ablation vergehen in der Regel nur 14 Tagen. Damit können Patienten ihre Krebserkrankung schneller besiegen und in die routinemäßige Nachsorge mit rhTSH entlassen werden.

Therapielotse Schilddrüsenkrebs

Der Therapielotse führt durch die verschiedenen Stationen bei Schildrüsenkrebs

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Info-Film Schilddrüsenkrebs

Der Informations-Film Schilddrüsenkrebs bietet Patienten einen Überblick über Erkrankung, Therapie und Nachsorge bei Schilddrüsenkrebs.

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