Mit wegweisenden Therapien komplexen Erkrankungen begegnen.
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Häufige Fragen

Wie schlimm ist Schilddrüsenkrebs?

Bei differenziertem Schilddrüsenkrebs (papilläre und follikuläre Karzinome) bestehen in der Regel sehr gute Heilungschancen. Hierfür ist eine konsequente Therapie und Nachsorge wichtig. Zur optimalen Therapie gehören die Operation und die später stattfindende „Radiojodtherapie“. Hierbei wird eine Kapsel mit radioaktivem Jod geschluckt, um kleinste Schilddrüsenreste zu beseitigen. Nach erfolgreicher Therapie mittels der beiden oben genannten Behandlungsschritte können die meisten Patienten wieder ein „normales Leben“ führen. Durch die entfernte Schilddrüse kann der Körper aber keine Schilddrüsenhormone mehr produzieren. Daher müssen Patienten die Schilddrüsenhormone (T4) durch Tabletten aufnehmen. Langzeitbeobachtungen zeigen, dass die Lebenserwartung für den weit überwiegenden Anteil der Patienten nicht eingeschränkt ist.

Leider gilt diese Feststellung nicht für alle Patienten. Unter anderem spielt das Patientenalter eine Rolle: jüngere Patienten haben statistisch betrachtet eine bessere Prognose als ältere Patienten. Weitere Kriterien sind die Tumorgröße sowie das Fehlen oder der Nachweis von Metastasen (Absiedelung des Tumors) in den Halslymphknoten oder in anderen Organen. Metastasen in den Halslymphknoten können meist durch die operative Entfernung beseitigt werden. Mitunter ist hierfür eine separate Operation notwendig. Selbst bei Metastasen in der Lunge ist eine normale Lebenserwartung möglich. Zeigen solche Lungenherde eine Jodspeicherung, können ca. 80 Prozent der betroffenen Patienten geheilt werden. Allerdings erhöht sich die Anzahl der erforderlichen Radiojodtherapien.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schilddrüsenkrebs und anderen Krebsarten?

Patienten mit einem papillären oder follikulären Schilddrüsenkarzinom sind nicht anfälliger für andere Krebsarten. Auch die Standardtherapie bei Schilddrüsenkrebs (Radiojod-Ablation) ist nach heutiger Kenntnis selbst nicht krebsauslösend. Sicherheitshalber sollten alle Patienten mit einem Schilddrüsenkrebs die üblichen, altersbezogenen Vorsorgemaßnahmen wahrnehmen, ein intensiveres Tumor-Screening wird nicht empfohlen.

Wird Schilddrüsenkrebs vererbt und kann radioaktives Jod Auswirkungen auf die Gesundheit der nächsten Generation haben?

Etwa 99 Prozent der differenzierten Schilddrüsenkarzinome sind nicht erblich. Wenn allerdings drei oder mehr Familienmitglieder an einem papillären Schilddrüsenkrebs erkrankt sind, spricht man von einer familiären Häufung. Es gibt aber derzeit keinen spezifischen Gentest zur Kontrolle. Bei dem medullären Schilddrüsenkarzinom sind jedoch etwa 25 Prozent erblich bedingt und ein gezielter Gentest verschafft Klarheit.

Da nach der Diagnose Schilddrüsenkrebs die meisten Patienten mit radioaktivem Jod behandelt werden, ist die Auswirkung der Radioaktivität auf die Gesundheit der nächsten Generation umfangreich untersucht worden. Die beruhigende Nachricht: Selbst nach mehrfacher Anwendung von hochdosierten Radiojodtherapien konnten keine genetischen Defekte an den Nachkommen festgestellt werden. Eine konsequente Empfängnisverhütung über einen begrenzten Zeitraum ist allerdings Pflicht: Nach einer Radiojodtherapie sollten Frauen einen Abstand von zwölf Monaten bis zum Eintritt einer Schwangerschaft wahren. Trat eine Schwangerschaft bereits sechs bis zwölf Monate nach einer Radiojodtherapie ein, wurden Frühgeburten und Fehlgeburten etwas häufiger beobachtet. Für männliche Patienten gilt: Aufgrund des Entwicklungszyklus einer Samenzelle sollte die Zeugung in den ersten vier Monaten nach einer Radiojodtherapie unterbleiben.

Wie wird therapiert – brauche ich eine Chemotherapie oder Bestrahlung?

Zunächst wird die befallene Schilddrüse operativ entfernt. Dabei ist die vollständige Schilddrüsenentfernung (Thyreoidektomie) das Standardverfahren. Für kleinere Tumore gilt: Bei fehlendem Verdacht auf das Vorliegen von Lymphknotenmetastasen ist derzeit unklar, ob eine prophylaktische Lymphknotenentfernung vorteilhaft ist. Im Einzelfall muss daher zwischen dem erkrankungsbedingten Risiko und dem Operationsrisiko (Lähmung des Sprechnervs, Mangel an Nebenschilddrüsenhormon) abgewogen werden. Sollte die nach einer Operation auftretende Lähmung des Sprechnervs dauerhaft sein, kann die Stimmfunktion mit Hilfe der Logopädie (Sprechübungen etc.) deutlich verbessert werden.

Der nächste Therapieschritt besteht aus einer nuklearmedizinischen Behandlung: Trotz der operativen Entfernung bleiben aufgrund der komplizierten Lage der Schilddrüse fast immer kleine Gewebereste der Schilddrüse im Hals zurück. Da sich auch hier noch einzelne Krebszellen verbergen können, wird im Anschluss an eine Operation und bei Vorliegen eines papillären oder follikulären Karzinoms fast immer eine ablative Radiojodtherapie (Zerstörung der verbliebenen Schilddrüsenzellen durch radioaktives Jod) empfohlen, die von einem Nuklearmediziner durchgeführt wird. Anders als bei anderen Krebsarten wird keine Chemotherapie angesetzt, die viele Organe und das gesamte Immunsystem angreift, sondern mit der ablativen Radiojodtherapie ganz gezielt nur auf das Schilddrüsenrestgewebe und auf mögliche Metastasen eingewirkt.

Ein weiterer Therapieschritt besteht aus der Einnahme des Schilddrüsenhormons Levothyroxin in Tablettenform. Hierdurch wird zum einen das fehlende Schilddrüsenhormon ersetzt. Zum anderen sind differenzierte Schilddrüsenkarzinome hormonabhängige Tumore. Durch eine grenzwertig hohe Dosierung der Schilddrüsenhormon-Medikation können Krebszellen sogar am Wachstum gehindert werden.

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Information Mikrokarzinome

  • Beinahe 50 Prozent aller papillären Schilddrüsenkarzinome haben einen Durchmesser von bis zu 1 cm und werden „Mikrokarzinome“ genannt, sofern keine weiteren Tumornester in der Schilddrüse und keine Metastasen vorliegen. Bei Mikrokarzinomen ist ein verringerter Therapieumfang möglich und die Radiojodtherapie ist keine Pflicht.
  • Mikrokarzinome werden in der Regel zufällig entdeckt: Wurde zunächst eine sehr großvolumige, gutartige Knotenstruma (Kropf) diagnostiziert, kommt es zu einer Schilddrüsenoperation. Bei der Untersuchung des hierbei entnommenen Gewebes, können Mikrokarzinome entdeckt werden.

Wie finde ich die richtigen Ärzte und Kliniken?

Meist wird der Patient nach Verdacht auf Schilddrüsenkrebs vom Hausarzt an einen Nuklearmediziner oder Endokrinologen überwiesen, der mithilfe verschiedener Untersuchungen eine Diagnose stellt. Bei erhärtetem Verdacht oder gesicherter Diagnose erfolgt die Weiterleitung an den Chirurgen.

Als erster Therapieschritt erfolgt dann die Schilddrüsenoperation. Dabei lohn sich der Weg in ein operatives Schilddrüsenzentrum. Die lokalen Operationsrisiken, nämlich die Lähmung des Sprechnervs und der Verlust der Nebenschilddrüsen (mit einer lebenslangen Störung des Calcium- und Phosphathaushalts) sind stark von der Erfahrung und dem Geschick des Chirurgen abhängig. Einen Anhaltspunkt für eine hohe Expertise in der Schilddrüsenchirurgie bietet die Zahl der Schilddrüsenoperationen pro Jahr in einer chirurgischen Abteilung. Angaben zu diesen und anderen Zahlen sind in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser zu finden – diese sind heutzutage Pflicht und meistens im Internet verfügbar.

Für eine optimale Weiterbehandlung nach der Operation ist für die meisten Patienten eine direkte Schilddrüsenhormongabe aus medizinischen Gründen möglich und eine rechtzeitige Abstimmung zwischen Chirurg und Nuklearmediziner wichtig.

Zu berücksichtigende Aspekte

  • Die Zeitspanne zwischen Operation und der Entscheidung über eine Radiojod-Behandlung sollte möglichst gering gehalten werden, um die Gesamttherapiedauer zu verkürzen.
  • Die Entscheidung über Verzicht oder Einleiten einer Schilddrüsenhormonersatz-Medikation muss getroffen werden. Etliche Kliniken bieten die Radiojod-Ablation unter rekombinantem humanem TSH (rhTSH) an. Dann ist eine direkte Schilddrüsenhormon-Medikation nach der Operation möglich und die zum Teil erheblichen Nebenwirkungen einer Schilddrüsenunterfunktion werden vermieden.


Die Vorbereitung auf eine Radiojod-Ablation muss stets in Absprache mit der weiterbehandelnden Klinik für Nuklearmedizin erfolgen. Der Einsatz von rhTSH ist bei allen Patienten ohne bekannte Fernmetastasen möglich. Auch für Patienten mit anderen Begleiterkrankungen ist die Radiojodtherapie mit rhTSH eine gute Therapieoption. Beispielsweise bei Erkrankungen von Herz oder Lunge, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Erkrankungen des Nervensystems oder der Psyche sowie bei einer beidseitigen Lähmung des Sprechnervs muss ein mehrwöchiger Verzicht auf eine Schilddrüsenhormon-Medikation (mit der Konsequenz einer Schilddrüsenunterfunktion) vermieden werden. Auch medizinisch-organisatorische Umstände wie eine schnelle Therapie innerhalb von 10 bis 14 Tagen sprechen für eine Radiojod-Ablation unter rhTSH. Ferner sind mögliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und der Schilddrüsenfunktion zu beachten, da eine Unterfunktion die Wirkung einzelner Medikamente verstärken oder abschwächen kann.

Kompakt aufbereitete Informationen zum Ablauf und den einzelnen Stationen der Therapie bietet Ihnen unser Therapielotse. Weitere Informationen zu Ihren Fachärzten finden Sie hier.

Wie wird die Radiojodtherapie vorbereitet?

Die ablative Radiojodtherapie funktioniert durch die Aufnahme des Radiojods in die verbliebenen Schilddrüsenzellen. Dies geschieht über Jodpumpen in der Zellwand der Schilddrüsenzellen. Die Aktivität dieser Jodpumpen wird über das Hormon TSH (= Thyroidea-stimulierendes Hormon) gesteuert. Normalerweise wird es in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) produziert. Im Falle einer Schilddrüsenunterfunktion ist die Produktion des Hormons TSH zur Aktivierung der Jodpumpen massiv gesteigert. Über diesen Mechanismus wird in der Unterfunktion möglichst viel radioaktives Jod in die Schilddrüsenreste aufgenommen.

Traditionell erhält der Patient nach der Schilddrüsenoperation keine Schilddrüsenhormon-Tabletten, damit der TSH-Spiegel ansteigt und die Aufnahme des radioaktiv markierten Jods optimal erfolgen kann. Der Zeitraum ohne eine Schilddrüsenhormon-Medikation liegt nach einer (nahezu) vollständigen Schilddrüsenentfernung bei 2-4 Wochen bzw. – wenn größere Schilddrüsenreste nach der Operation verblieben sind – bei bis zu 4-5 Wochen. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann zu starken Belastungen für den Patienten führen, unter anderem zu einer verlangsamten Nierenfunktion, Herz-Kreislauf-Beschwerden, gestörtem Immunsystem, Depressionen sowie Gedächtnis- und Konzentrationsminderungen.

Aufgrund der unangenehmen Begleiterscheinungen einer Unterfunktion entscheidet sich der Arzt immer öfter für eine Therapie mit rhTSH: Dabei wird der TSH-Spiegel wird durch die Gabe von rhTSH (= rekombinantes humanes TSH), einem biotechnologisch hergestelltem Hormon, kurzfristig schnell erhöht. Dieses rhTSH wird an den beiden Tagen vor Gabe der Radiojod-Kapsel in den (Gesäß-)Muskel gespritzt. Die Schilddrüsenhormon-Medikation wird entweder durchgehend eingenommen oder nur kurzzeitig, für wenige Tage, ausgesetzt. Dies besprechen Patienten mit dem behandelnden Nuklearmediziner.

Je nach Vorbereitungsart (mit oder ohne rhTSH) sollten Sie vor der Ablation zwei bis drei Wochen lang möglichst wenig Jod durch Lebensmittel zu sich nehmen. Danach kann wieder normal gegessen werden. Über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen vor der Ablation dürfen keine stark jodhaltigen Medikamente (z. B. entsprechende Röntgenkontrastmittel, Desinfektionsmittel, Augentropfen, Jodid-Medikation) oder künstliche Jodzusätze in Multivitamin- und Spurenelementkombinationen verabreicht bzw. eingenommen werden. Sollte vor einer Schilddrüsenoperation ein jodhaltiges Röntgenkontrastmittel in die Vene verabreicht worden sein, muss der Nuklearmediziner dies unbedingt wissen. In Zweifelsfällen kann eine Jodbestimmung im Urin veranlasst werden.

Information: Vorteile der Radiojod-Ablation

  • Die Vorteile einer Radiojod-Ablation unter rhTSH können nicht nur in einer höheren Lebensqualität durch die Vermeidung der Begleiterscheinungen einer Unterfunktion liegen, sondern auch in einer geringeren Strahlenbestrahlung des Körpers: Denn das zur Untersuchung eingesetzte Jod-131 wird bei Aufrechterhaltung einer normalen Nierenfunktion unter rhTSH schneller ausgewaschen. Lediglich beim Vorliegen von Metastasen in anderen Organen (Fernmetastasen) ist der Einsatz von rhTSH noch nicht zugelassen.


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Welche Nebenwirkungen gibt es bei der ablativen Radiojodtherapie?

Für die ablative Radiojodtherapie (kurz: Ablation) wird das radioaktive Element Jod-131 (131I) als Kapsel verabreicht. Jod-131 ist ein Beta- und Gamma-Strahler. Beta-Strahlen sind sehr energiereich, kommen aber nicht weit. So können Nuklearmediziner mit relativ hohen Dosen den Krankheitsherd bekämpfen, ohne das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft zu ziehen. Nach der Einnahme müssen die Patienten für ein paar Tage in Quarantäne auf der nuklearmedizinischen Station bleiben, um andere Personen vor der radioaktiven Strahlung zu schützen. Dies ist in Deutschland nach der Strahlenschutzverordnung verpflichtend. Akute Nebenwirkungen sind meist Schwellungen im Operationsgebiet infolge der Jodaufnahme in verbliebene Schilddrüsenreste, gelegentlich Schwellungen der Speicheldrüsen sowie Magenbeschwerden. Andere Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, eingeschränkte Belastbarkeit oder Stimmungsschwankungen stehen mit einer möglichen Schilddrüsenunterfunktion in Zusammenhang. Die ausgeprägten Symptome der Schilddrüsenunterfunktion treten in der Regel nach Injektion von rekombinantem humanem TSH (rhTSH) nicht auf.

Ob sich später chronische Nebenwirkungen entwickeln, hängt von der Anzahl der Radiojodtherapien und der Höhe der verabreichten Jod-131-Aktivität ab. Im Falle wiederholter Radiojodtherapien kann es zu einer chronischen Entzündung der Speicheldrüsen kommen, der Patient verspürt eine Mundtrockenheit mit Geschmacksveränderung und hat ein erhöhtes Risiko von Karies. Patienten mit einer Mundtrockenheit sollten eine verstärkte Kariesprophylaxe vornehmen lassen. Eine mögliche Trockenheit der Tränendrüsen kann für Kontaktlinsenträger Auswirkungen haben.

Bei Männern ohne eine abgeschlossene Familienplanung, bei denen mehrere Radiojodtherapien realistischerweise zu erwarten sind, kann das Einfrieren von Samenzellen eine sinnvolle Maßnahme sein. Denn durch mehrere Radiojodtherapien kann sich die Anzahl der Samenzellen verringern. Der Effekt ist zwar meist vorübergehend, gelegentlich jedoch permanent. Bei Frauen sind die ruhenden Eizellen robuster gegen radioaktives Jod. Allerdings tritt bei Frauen nach mehrfachen Radiojodtherapien die Menopause etwa ein Jahr früher ein.

Welche Rolle spielt die Nebenschilddrüse bei Schilddrüsenkrebs?

Die Nebenschilddrüse besteht aus vier stecknadelkopfgroßen Knötchen, den sogenannten Epithelkörperchen. In der Regel sind diese Epithelkörperchen auf der Rückseite der Schilddrüse angeordnet. Hier werden ganz andere Hormone als in der Schilddrüse produziert. Da sich in den Nebenschilddrüsen keine Schilddrüsenzellen befinden, hat sie nichts mit der Rezidivgefährdung (Gefahr einer erneuten Krebsbildung) zu tun.

Ziel bei der Entfernung der Schilddrüse sollte der Erhalt von mindestens zwei, besser sogar aller vier Epithelkörperchen sein – hierfür ist operatives Geschick des Chirurgen nötig. Denn die Nebenschilddrüsen sind für den Calziumstoffwechsel von großer Bedeutung. Bei einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse drohen zum Beispiel Muskelkrämpfe. Diese Unterfunktion kann vorübergehend oder dauerhaft sein. Eine Erholung der Nebenschilddrüsenfunktion ist bis zu einem Jahr nach der Operation möglich. Ausgeprägte Unterfunktionen werden mit Calzium in Kombination mit Vitamin D3 (bzw. seiner aktiven Metabolite) behandelt.

Wie oft muss ich zu Kontrolluntersuchungen?

Die Nachsorgeuntersuchungen finden in den ersten fünf Jahren nach Abschluss der primären Operation und Ablation relativ etwa alle sechs Monate statt. Nach fünf Jahren erfolgen die Kontrolluntersuchungen in der Regel jährlich - vor allem, wenn weder Symptome noch sonstige Anzeichen für ein Wiederauftreten der Erkrankung vorliegen. Die Untersuchungen bestehen aus einer Ultraschalluntersuchung des Halses (Halssonografie), einer Messung des Thyreoglobulin-Spiegels (Tg-Spiegel) im Blut (inklusive Messung von Thyreoglobulin-Antikörpern) und einer Bestimmung der Schilddrüsenfunktionsparameter (TSH, fT3, fT4) und werden entweder durch einen Nuklearmediziner, einen Internisten (Endokrinologe) oder durch den Hausarzt durchgeführt. Die Aussagekraft des Thyreoglobulin-Spiegels ist bei den meisten Patienten so hoch, dass bildgebende Verfahren mit einer Strahlenexposition im weiteren Verlauf der Nachsorge nur noch bei nicht-messbarem Thyreoglobulin-Spiegel empfohlen werden. Eine weitere Voraussetzung für ein solches, schlankes Nachsorgekonzept ist eine unauffällige Jod-131-Ganzkörperszintigrafie, womit der Erfolg der Ablation abschließend dokumentiert ist.

Wie funktioniert die Nachsorge über Blutwerte?

Der in der Nachsorge des Schilddrüsenkarzinoms wohl wichtigste Blutwert ist das Tg = Thyreoglobulin, das von Schilddrüsenzellen oder – im Einzelfall – von Schilddrüsen-ähnlichen Krebszellen produziert wird. Solange also normale Schilddrüsenzellen im Körper vorhanden sind, ist die Produktion von Thyreoglobulin ein normaler Vorgang. Thyreoglobulin ist normalerweise das Transporteiweiß für Schilddrüsenhormone. Erst nach erfolgreicher Ersttherapie des Schilddrüsenkrebses (Operation und Ablation) wird Thyreoglobulin zu einem Tumormarker und der Tg-Wert sollte unter 1 ng/ml liegen bzw. gegen Null gehen. Ansonsten deutet ein messbarer und im Verlauf ansteigender Tg-Spiegel auf aktive Krebszellen hin. Somit ist das Thyreoglobulin ein wichtiger und leicht zu bestimmender Tumormarker. Eine Tg-Messung wird durch eine Laboruntersuchung des entnommenen Blutes vorgenommen. Hier gibt es zwei verschiedene Ansätze mit unterschiedlicher Vorhersagekraft. Am genausten ist die Messung des Tg-Spiegels nach TSH-Stimulation durch Gabe von zuvor zwei Injektionen rhTSH. Die sogenannte stimulierte Tg-Messung erhöht die Empfindlichkeit des Testverfahrens und Rezidive können frühzeitiger erkannt werden. Die nicht-stimulierte Tg-Bestimmung (ohne rhTSH oder Hormonentzug) wird bei konstanten niedrigen Tg-Werten empfohlen. Zusätzlich zu der Tg-Messung sollte immer eine Sonografie (Ultraschalluntersuchung) des Halses durchgeführt werden.

Faustregel:

  • Tg-Spiegel unter 1 ng/ml unter Schilddrüsenhormon-Medikation bzw. unter 2 ng/ml unter rhTSH sind beruhigend. Dabei ist der Verlauf des Tg-Werts über die Jahre aussagekräftiger als ein einzelner Messwert.


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Was machen Patienten mit Thyreoglobulin-Antikörpern?

Manche Menschen haben Thyreoglobulin-Antikörper, so dass der Thyreoglobulin-Wert in der Nachsorge nicht zuverlässig bestimmt werden kann. Der Nachweis solcher Thyreoglobulin-Antikörper ist ähnlich wie eine Allergie zu bewerten und steht in keinem Zusammenhang mit der Krebsdiagnose. Eine solche Laborkonstellation betrifft etwa zehn bis 15 Prozent der Patienten mit Schilddrüsenkrebs. Wenn die Schilddrüse durch Operation und die Radiojod-Ablation vollständig beseitigt worden ist, können Thyreoglobulin-Antikörper nach mehreren Jahren auch völlig verschwinden. Bei Patienten mit Thyreoglobulin-Antikörpern wird eine wiederholte Jod-Ganzkörperszintigrafie angewendet, um die nötige diagnostische Sicherheit in der Nachsorge zu erhalten. Sobald die Thyreoglobulin-Antikörper verschwinden und der Tg-Spiegel nicht messbar erhöht ist, kann der Umfang der Untersuchung verringert werden.

Wie funktioniert die Nachsorge über eine Jod-131 Ganzkörperszintigrafie?

Etwa sechs bis acht Monate nach der Ablation wird der Arzt in der Regel ein Ganzkörperszintigramm erstellen, um ganz sicher zu sein, dass alle Schilddrüsenzellen und Krebsherde zerstört wurden. Die Ganzkörperszintigrafie (Radiojoddiagnostik) muss aufgrund rechtlicher Auflagen stationär durchgeführt werden und ähnelt der Ablation. Der Unterschied: Es werden sehr viel geringere Strahlungsaktivitäten eingesetzt. Denn hier soll kein Gewebe zerstört, sondern nur ein Bild zur Überprüfung des Ablationserfolgs erzeugt werden. Mögliche noch verbliebene Schilddrüsen- oder Krebszellen müssen auch hier jodhungrig gemacht werden – entweder durch eine künstlich herbeigeführte Schilddrüsenunterfunktion (Absetzung der Schilddrüsenhormone für vier bis fünf Wochen) oder durch die Gabe von rhTSH. Die Gabe von rhTSH wird heutzutage bei dieser diagnostischen Maßnahme bevorzugt. Die Patienten sollen nicht über Wochen unter den zum Teil sehr belastenden Symptomen der Schilddrüsenunterfunktion leiden. Für die Untersuchung selbst, wird eine kleine Menge Radiojod mittels einer Kapsel verabreicht. Zwei bis drei Tage nach der Einnahme der Kapsel wird mit Hilfe einer Spezialkamera ein Bild (Ganzkörperszintigramm) angefertigt.

Finden sich Stellen konzentrierter Strahlung, ist dies ein Zeichen für verbliebene aktive Schilddrüsenzellen oder für Absiedlungen des Schilddrüsenkarzinoms, der behandelnde Arzt wird dann ggf. weitere diagnostische Maßnahmen treffen. Meistens ergibt sich bei der Jod-Ganzkörperszintigrafie ein günstiger Befund. Wenn unter rhTSH bzw. dem Hormonentzug zusätzlich der Tumormarker Thyreoglobulin unterhalb der Nachweisgrenze bleibt, können in der Regel alle weiteren diagnostischen Maßnahmen in der Nachsorge ambulant durchgeführt werden. Damit verringert sich die Belastung vieler Patienten – körperlich wie seelisch – deutlich.

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Wie groß ist das Risiko, an einem erneuten Schilddrüsenkarzinom (Rezidiv) zu erkranken?

Die Prognose bei differenziertem Schilddrüsenkrebs ist hinsichtlich der Überlebenschancen exzellent. Trotzdem darf beim papillären Schilddrüsenkarzinom die Rate an Rezidiven in den Halslymphknoten und am Platz der ehemaligen Schilddrüse nicht unterschätzt werden. Bei fortgeschrittenen Tumoren muss mit einer Wiedererkrankungsrate von bis zu 30 Prozent gerechnet werden. Wegen des langsamen Wachstums der wenig aggressiven Tumore können solche Rezidive auch Jahrzehnte nach der Erstdiagnose auftreten. Deshalb ist beim Schilddrüsenkrebs die lebenslange Nachsorge besonders wichtig.

Die positiven Aspekte für die erneut Betroffenen:

  • Wenn die Einschätzung, ob ein Rezidiv vorliegt, noch nicht eindeutig beantwortet werden kann, ist kein Zeitdruck gegeben. Daher kann eine Verlaufskontrolle nach einigen Monaten vorgenommen werden.
  • Falls ein Rezidiv im Halsbereich gesichert ist, stehen mit der Operation, der Radiojodtherapie und der externen Strahlentherapie viele Behandlungsoptionen zur Verfügung, die eine Heilung wahrscheinlich machen.

Welche Möglichkeiten der medizinischen und psycho-onkologischen Rehabilitation gibt es?

Bei der Nachsorge geht es nicht nur um medizinische Untersuchungen, sie beinhaltet optimalerweise auch eine intensive Betreuung des Patienten, um die Krankheit zu verarbeiten und Probleme, die möglicherweise im Zusammenhang mit einer Tumorerkrankung auftreten, zu bewältigen. In den meisten Krankenhäusern gibt es einen Sozialdienst, der Unterstützung bietet und auch an entsprechende Institutionen weitervermitteln kann. Auch die Möglichkeit einer psychologischen Beratung ist in vielen Krankenhäusern gegeben. Für manche Patienten ist es darüber hinaus hilfreich, sich Unterstützung bei einer psychosozialen Beratungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe zu holen.

Der Sozialdienst wird Patienten auf das zuständige Versorgungsamt hinweisen. Dies ist für die Feststellung einer Schwerbehinderung und für die Festlegung des Grades der Behinderung zuständig. Hiermit sind für den Patienten steuerliche Vergünstigungen verbunden. Bei einer Krebsdiagnose wird ein solcher Antrag in der Regel erfolgreich sein. Ob der Patient die Schwerbehinderung zusätzlich seinem Arbeitgeber mitteilen sollte, wird man nur individuell unter Abwägung aller Umstände entscheiden können. Besonders bei jungen, in der Ausbildung befindlichen Patienten sollte auf mögliche langfristige Nachteile von „Vergünstigungen“ für Schwerbehinderte hingewiesen werden, beispielsweise Schwierigkeiten, eine neue oder andere Arbeitsstelle zu finden. Bei unkompliziertem Verlauf wird die Feststellung einer Schwerbehinderung auf Zeit festgesetzt, meist sind es fünf Jahre.

Andere Möglichkeiten sind Rehabilitationen oder Kuren. Diesbezüglich ist die Krankenversicherung ein guter Ansprechpartner. Solche stationären Maßnahmen dauern drei bis vier Wochen und können wiederholt in Anspruch genommen werden. Bei der Terminfindung wird auf Patienten mit schulpflichtigen Kindern Rücksicht genommen. Aus medizinischer Sicht sind Rehabilitationsmaßnahmen insbesondere bei vollständiger oder partieller Stimmbandlähmung, bei Bewegungseinschränkungen nach Halslymphknotenoperation oder bei psychosozialen Problemen sinnvoll. Allerdings sollte bei psychischen Problemen bedacht werden, dass die Heilungsaussichten bei Schilddrüsenkrebs wesentlich günstiger sind als bei anderen Krebsdiagnosen, dass aber während der stationären Rehabilitationsmaßnahme alle Krebspatienten mit den unterschiedlichsten Heilungsprognosen ein gemeinsames Angebot erhalten.

Was ist die Ursache von Begleiterscheinungen im Zusammenhang mit der Schilddrüsenhormontherapie?

Nach der Ersttherapie bei Schilddrüsenkrebs (operative Entfernung und ablative Radiojodtherapie) wird eine Schilddrüsenhormon-Medikation nötig. Dabei werden die Schilddrüsenhormone geringfügig höher dosiert als es dem Bedarf des Körpers entspricht. Das Wachstum von Krebszellen, die der Schilddrüse ähnlich sind, wird dadurch gebremst. Dieses Prinzip wird Suppressionstherapie genannt. Hinsichtlich des TSH-Spiegels gilt ein Zielbereich zwischen 0,3-1,0 mU/l. Meistens gewöhnt sich der Patient innerhalb von zwei bis drei Wochen an diese Einstellung der Hormone. Bei einigen Patienten sind damit aber Nebenwirkungen wie Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Schwitzen, beschleunigter Herzschlag, Osteoporose oder Diarrhoe (häufige Darmentleerung, evtl. auch Durchfälle) verbunden.

Die Dauer einer solchen Suppressionstherapie orientiert sich heutzutage am individuellen Risikoprofil (Tumorgröße, Lymphknotenbefall, vorhandene Metastasen). Zeigen die Radiojod-Diagnostik und der Thyreoglobulin-Spiegel unter einer TSH-Stimulation (mit rhTSH oder Hormonentzug) nach der Ablation keine Krankheitsaktivität, so ist bei Patienten mit ursprünglich kleineren Tumoren ohne Metastasen die suppressive Einstellung der Schilddrüsenfunktion nicht länger erforderlich. Die Schilddrüsenhormon-Medikation wird dann ähnlich dosiert wie bei Patienten, die wegen einer gutartigen Schilddrüsenerkrankung operiert worden sind. Für Patienten mit hohem Risikoprofil oder mit einem messbaren Thyreoglobulin-Spiegel wird eine suppressive Einstellung der Schilddrüsenfunktion lebenslang angestrebt. Der Nutzen einer solchen Einstellung ist durch Studien abgesichert. Im Falle von Nebenwirkungen ist das weitere Vorgehen selbstverständlich individuell abzuwägen.

Die suppressive Einstellung der Schilddrüsenfunktion führt zu einer Minderung der Knochendichte (Osteopenie) um etwa drei bis fünf Prozent. Dies bedeutet aber noch keine erhöhte Gefahr für Knochenbrüche. Zur Prophylaxe kann als Basismaßnahme die Gabe von Vitamin D3 in Kombination mit Calzium oder calziumreichen Mineralwässern erfolgen. Wird auf eine normale Dosierung des Schilddrüsenhormons umgestellt, normalisiert sich die Knochendichte.

Ist die Leistungsfähigkeit trotz Entfernung der Schilddrüse gegeben?

Nach der Entfernung der Schilddrüse wird eine lebenslange Hormoneinnahme nötig. Das Gute: Ist der Patient optimal mit Hormonen eingestellt, erlangt er seine volle Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit zurück. Ein normales Leben mit voller Arbeitsfähigkeit ist wieder möglich.

Zu einer Rente – auch einer Rente auf Zeit – sollte nur dann geraten werden, wenn die Auswirkungen der Operation so erheblich sind, dass eine Tätigkeit in dem ausgeübten Beruf nicht mehr möglich ist oder eine die Leistungsfähigkeit beeinflussende Metastasierung vorliegt.

Nehme ich durch die Schilddrüsen-Tabletten an Gewicht zu?

Die suppressive Einstellung der Schilddrüsenfunktion mit einer etwas höheren Dosierung des Schilddrüsenhormons steigert eher die Verbrennung von Kalorien im Körper (Grundumsatz), andererseits erhöht eine Schilddrüsenhormon-Medikation den Appetit. In der Regel gleichen sich diese Effekte aus und es kommt weder zu einem Gewichtsverlust noch zu einer Gewichtszunahme.

Was ist bei der Ernährung zu beachten?

Der gewohnten Ernährung steht nichts im Wege, es gibt aber zwei Besonderheiten: Ist eine Radiojod-Diagnostik oder eine Radiojodtherapie geplant, sollte über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen vor dieser Maßnahme auf eine jodarme Ernährung geachtet werden, das heißt Verzicht auf Seefisch, Meeresprodukte und insbesondere Verzicht auf mögliche Jodzusätze in Multivitaminpräparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln. Ist nach der Operation die Nebenwirkung einer Unterversorgung mit dem Nebenschilddrüsenhormon eingetreten, so ist bei einem starken Hormonmangel eine medikamentöse Behandlung notwendig (meist eine Kombination aus Kalzium und Vitamin D). Bei leichter Ausprägung der Nebenschilddrüsenunterfunktion können stark calziumhaltige Mineralwasser guten Dienst leisten. Der calziumgehalt kann bei bis zu 600 mg pro Liter liegen.

Was muss ich im Falle einer Schwangerschaft beachten?

Während einer Schwangerschaft verkürzen sich die Kontrollintervalle auf etwa sechs Wochen. Im Verlauf der Schwangerschaft erhöht sich der Hormonbedarf um durchschnittlich etwa 50 μg Levothyroxin, meistens steigt der Hormonbedarf schon im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Dosissteigerung der Schilddrüsenhormon-Medikation wird am individuellen TSH-Spiegel ausgerichtet. Zudem erfolgt eine Jodidzufuhr etwa ab der achten bis zehnten Schwangerschaftswoche. Dann nämlich entwickelt der Embryo eine Schilddrüse und ist auf den Baustein Jod angewiesen. Üblicherweise werden um 150 μg Jodid pro Tag gegeben. Ein Zuviel an Jod hingegen hat für das Ungeborene nachteilige Effekte, daher sollte mit dem behandelnden Arzt die individuelle Jodaufnahme besprochen werden.

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