Therapielotse Schilddrüsenkrebs

Schnelle Therapie in 14 Tagen

Üblicherweise durchläuft der Patient – vom ersten Verdacht auf Schilddrüsenkrebs bis zum letzten Therapieschritt – viele Etappen bei unterschiedlichen Fachärzten. Der Therapielotse führt Sie durch die verschiedenen Stationen und informiert Sie über die nötigen Maßnahmen.

Eins vorweg: Moderne Therapiekonzepte bieten heute die Möglichkeit, die Dauer einzelner Therapieschritte zu verkürzen und den Patienten die Behandlung zu erleichtern.

Verdacht

Der Hausarzt überweist den Patienten mit einem Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, zum Beispiel aufgrund von ertasteten und per Ultraschall gefundener Knoten, meist an den niedergelassenen Nuklearmediziner.

Prüfung

Der niedergelassene Nuklearmediziner prüft den Verdacht mit Bestimmung der Hormonparameter (Blutentnahme) sowie einer Bildaufnahme der Organe, der so genannten Szintigrafie und erkennt heiße oder kalte Knoten.

Heiße Knoten sind in der Regel gutartig, kalte Knoten zumindest verdächtig. Mit einem Befund und ggf. der Empfehlung zur operativen Entfernung der Schilddrüse überweist der Nuklearmediziner den Patienten in der Regel wieder an den Hausarzt.

Auch beim Nuklearmediziner in der Klinik-Ambulanz ebenso wie beim Endokrinologen kann der Verdacht untersucht werden.

Ist der Befund der Szintigrafie ein kalter Knoten, wird in der Regel eine Gewebeprobe aus der Schilddrüse entnommen, dieses Verfahren nennt sich Feinnadelbiopsie oder Feinnadelpunktion

Überweisung

Bei erhärtetem Verdacht oder gesicherter Diagnose erfolgt eine Einweisung ins Krankenhaus durch den Hausarzt.

Der Schilddrüsenkrebs wird dort in zwei Schritten therapiert: Der erste Schritt ist die operative Entfernung der Schilddrüse. Die sich anschließende Radiojodtherapie auch Ablation genannt ist der zweite Schritt – um Schilddrüsenrestzellen mit radioaktivem Jod zu zerstören.

Operation

Im Krankenhaus begibt sich der Patient in die Hände eines Chirurgen. Der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs wird oft erst während der OP endgültig bestätigt.

Mit einem so genannten Schnellschnitt wird während der OP eine Gewebeprobe entnommen und auf Gut- oder Bösartigkeit getestet. Bestätigt sich der Krebsverdacht, wird die Schilddrüse entfernt. Danach folgt ein Gespräch zwischen Patient und Chirurg sowie ein Gespräch zwischen Chirurg und Klinik-Nuklearmediziner. Hier wird der weitere Therapieverlauf besprochen und entschieden, wie die weiterführende Behandlung aussehen sollte.

Ablation

In der Regel ist die weiterführende Therapie die Radiojod-Ablation, die der Nuklearmediziner schon wenige Tage nach der OP (wenn die OP-Wunden verheilt sind) vornehmen kann.

Mit einer Kapsel „Radiojod 131“, die der Patient zur Einnahme bekommt, wird verbliebenes Schilddrüsenrestgewebe „von innen bestrahlt“ und so zerstört. Dieser Vorgang ist keine Chemotherapie, bei der das gesamte Immunsystem geschwächt wird, sondern eine gezielt nur auf Schilddrüsenzellen wirkende Maßnahme. Das funktioniert durch die Aufnahme des Radiojods in die Schilddrüsenzellen. Damit das Radiojod optimal aufgenommen und die Ablation erfolgreich durchgeführt werden kann, muss im Körper ausreichend TSH (Thyroidea Stimulierendes Hormon) verfügbar sein. Die verbliebenen Zellen werden so „jodhungrig“ gemacht, um so viel wie möglich von dem radioaktiven Jod aufzunehmen.

Der Anstieg des TSH-Spiegels kann über zwei Wege erreicht werden: eine künstlich herbeigeführte Schilddrüsenunterfunktion oder durch die Gabe von speziellen Medikamenten.

Traditionell wird der TSH-Spiegel durch eine künstlich herbeigeführte Schilddrüsenunterfunktion bewirkt: Die Schilddrüsenhormontherapie, die durch die jetzt fehlende Schilddrüse notwendig ist, wird dem Patienten dabei vorenthalten, der Körper reagiert mit dem Anstieg des TSH-Spiegels. Dieser Prozess dauert ca. drei bis sechs Wochen und ist mit zum Teil unangenehmen Nebenwirkungen verbunden. Erst dann kann die Ablation erfolgen.

Eine Alternative sind spezielle Medikamente, die den TSH-Spiegel unabhängig von den Schilddrüsenhormonen T3/T4 rasch ansteigen lassen. So kann die Schilddrüsenhormontherapie direkt nach der OP beginnen und die Ablation beim Patienten in euthyreoter (normaler) Stoffwechsellage, schon ab zehn Tagen nach der Operation durchgeführt werden.

Damit werden die unangenehmen Nebenwirkungen der Schilddrüsenunterfunktion vermieden, der Therapieprozess beschleunigt und die Krebsbehandlung kann schneller erfolgreich abgeschlossen werden: Von der OP über die Ablation vergehen nur 14 Tage, anstatt wie traditionell mehrere Wochen.

Info-Film Schilddrüsenkrebs

Der Informations-Film Schilddrüsenkrebs bietet Patienten einen Überblick über Erkrankung, Therapie und Nachsorge bei Schilddrüsenkrebs.

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