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Nachsorge bei Schilddrüsenkrebs

Spätestens vor Verlassen der nuklearmedizinischen Klinik werden die Patienten von ihrem behandelnden Arzt in Gesprächen und auch medikamentös auf ein Leben ohne Schilddrüse eingestellt. Zur Nachsorge gehört nicht zuletzt die regelmäßige Einnahme von Schilddrüsenhormonen, die der Körper ohne Schilddrüse nicht mehr selbst bilden kann. Die optimale individuelle Dosierung dieser sogenannten Schilddrüsenhormon-Ersatztherapie – in der Regel wird Thyroxin (T4) eingesetzt – wird durch regelmäßige Blutuntersuchungen bestimmt. Eine konsequente Einnahme der Medikamente ist wichtig, damit Patienten nach der Bekämpfung des Schilddrüsenkrebses ihren Alltag wieder uneingeschränkt aufnehmen können.

Nachsorgediagnostik

Nach einer erfolgreichen Schilddrüsenkrebstherapie ist für Patienten in der Regel ein normales Leben wieder möglich. Doch auch, wenn Schilddrüsenkrebs eine sehr gute Prognose hat und die meisten Patienten nach einer überstandenen Erkrankung gesund bleiben, ist nicht auszuschließen, dass Schilddrüsenkrebs in einigen Fällen wieder auftritt (so genanntes Rezidiv). Dann ist eine frühzeitige Diagnose wichtig. Diese ist nur durch eine regelmäßige Nachsorge durch den behandelnden Arzt zu gewährleisten und sollte vom Patienten unbedingt wahrgenommen werden.

Die Nachsorgeuntersuchungen werden entweder beim Endokrinologen, beim Nuklearmediziner oder im behandelnden Krankenhaus durchgeführt. Sie finden in der ersten Zeit nach Abschluss der Behandlung relativ engmaschig statt (3-6 Monate). Später werden die Zeiträume zwischen diesen Kontrolluntersuchungen größer (jährlich) – vor allem, wenn weder Symptome noch sonstige Anzeichen für ein Wiederauftreten der Erkrankung vorliegen. Art und Umfang der Nachsorgeuntersuchungen stimmt der Arzt auf die individuelle Situation des Patienten ab. Er berücksichtigt dabei vor allem, wie weit der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten war und welche Behandlung durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt stehen bei der Nachsorge zunächst das Gespräch mit dem Patienten und regelmäßige körperliche Untersuchungen, sowie die Messung des Thyreoglobulin-Spiegels (Tg-Spiegel) im Blut, die Sonografie und ggf. die Ganzkörperszintigrafie.

Formen der Nachsorgediagnostik

Tg-Messung und Sonografie (Ultraschall)

  • Der in der Nachsorge des Schilddrüsenkarzinoms wohl wichtigste Wert ist das Thyreoglobulin (=Tg), ein Eiweißstoff, der nur von Schilddrüsenzellen produziert wird. Nach erfolgreicher Ersttherapie (Operation und Ablation) sollte der Tg-Wert gegen 0 gehen, ansonsten deutet der Tg-Spiegel auf Schilddrüsenzellwachstum hin. Tg ist ein Tumormarker. Findet man während einer Nachsorgeuntersuchung wieder Tg im Blut, müssen weitere diagnostische Maßnahmen eingeleitet werden.
  • Eine Tg-Messung wird durch Blutabnahme und der Untersuchung des entnommenen Blutes im Labor vorgenommen. Um den Tg-Wert zu bestimmen, kann es – abhängig vom persönlichen Risiko einer Wiedererkrankung – wichtig sein, zur Messung möglichst viel TSH im Körper verfügbar zu haben. Wie bei der Ablation kann dies durch Hormonentzug oder mit rhTSH-Gabe erreicht werden. In beiden Fällen spricht man von einer stimulierten Tg-Messung.
  • Zusätzlich zu der Tg-Messung sollte immer eine Sonografie (Ultraschalluntersuchung) des Halses gemacht werden.

Ganzkörperszintigrafie

  • Eine Ganzkörperszintigrafie ist ein bildgebendes Verfahren zur Diagnostik. Insbesondere bei der ersten Nachsorge nach der Ablation wird in der Regel ein Ganzkörperszintigramm durchgeführt, das Restgewebe, Rezidive und Metastasen nach der Aufnahme von radioaktiven Stoffen mit einer Gamma-Kamera sichtbar macht. Das Prinzip der Radiojoddiagnostik, die stationär durchgeführt wird, ähnelt dem der Ablation, mit dem Unterschied, dass sehr viel geringere Jod-131-Aktivitäten eingesetzt werden. Denn hier soll kein Gewebe zerstört, sondern nur ein Bild erzeugt werden. Mögliche noch vorhandene Schilddrüsenzellen oder Krebszellen müssen auch hier wieder durch eine künstlich herbeigeführte Schilddrüsenunterfunktion oder durch die Gabe von rhTSH "jodhungrig" gemacht werden, um das radioaktive Jod (Kapseleinnahme) optimal aufnehmen zu können. Zwei bis drei Tage nach der Einnahme der Kapsel wird mit Hilfe einer Gamma-Kamera ein Ganzkörperszintigramm durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt haben die möglicherweise verbliebenen Zellen das Radiojod aufgenommen und die Gamma-Strahlung des Jod 131 kann in einem Bild festgehalten werden. Finden sich Stellen, an denen sich die Strahlung konzentriert, ist dies ein Zeichen für verbliebene aktive Schilddrüsenzellen. Dann wird der behandelnde Arzt weitere entsprechende diagnostische und therapeutische Maßnahmen treffen.

PET und ggf. Röntgenaufnahmen

  • Bei Verdacht auf Metastasen im Lungenbereich können eine PET oder gegebenenfalls Röntgenaufnahmen des Brustkorbes gemacht werden. PET (Positronen-Emissions-Tomografie) ist ein bildgebendes Verfahren der Nuklearmedizin, das die Verteilung einer schwach radioaktiv markierten Substanz (Radiopharmakon) im Organismus sichtbar macht.

Austausch und Beratung

Eine optimale Nachsorge beinhaltet neben medizinischen Untersuchungen auch eine intensive Betreuung des Patienten. Die meisten Patienten sind nach einer Krebsbehandlung nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belastet. Neben dem Arzt kann bei der Betreuung auch ein Sozialdienst oder eine psychoonkologische Beratung im Krankenhaus hilfreich sein. Für manche Patienten ist es darüber hinaus förderlich, sich über einen gewissen Zeitraum Unterstützung bei einer separaten Beratungsstelle für Krebspatienten und Angehörige zu holen, die von vielen Städten und Gemeinden gestellt werden. Auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, zum Bespiel in einer Selbsthilfegruppe, kann eine große Hilfe sein, da diese Menschen die Probleme aus eigener Erfahrung kennen und mit Rat und Tat helfen können. Nützliche Links und Adressen finden sie hier.

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